"Ramadan" in Wald

Appenzeller Zeitung vom 21. Februar 2004, von RENE BIERI

"Ramadan" in Wald

Wenn eine Gruppe von munteren Männern um die Wette fastet und einer wegen ganzen 3 Gramm Differenz verliert

WALD. Strenge Sitten bei sieben Wäldler Männern: Während eines Monats wird gefastet und kein Alkohol konsumiert. Dann gehts auf die Waage. Und wer verliert, muss für den Spott nicht sorgen.

Es gibt in Wald sieben bestandene Männer, die treffen sich nicht nur regelmässig, sondern fasten auch einmal pro Jahr um die Wette. "Ramadan" ist während eines Monats angesagt."´Wir wollen nicht um jeden Preis abnehmen, um einfach besser auszusehen", sagt Andy Hunziker. Er zog bei der letzten Schlankheitsrunde den schwarzen Peter und musste zum Spott seiner Kollegen am letzten Donnerstag einen Rasenmäher vom "Seeli" Wald zur "Traube" Trogen stossen. Daselbst wartete ein Siedwurstbankett auf die Gesellschaft.

Ritual

Der "Ramadan" in Wald vollzieht sich schon seit etwa acht Jahren nach ungefähr gleichem Schema: Gemeinsam auf die Waage (die Sieben bringen ein Gewicht von je zwischen 70 und 100 Kilo mit), und am Ende der Fastenzeit haben sie wieder anzutreten. EinAmuse-bouche und zwei Glas Wein sind für alle die Vorgaben vor dem Wägen, und dann wird das Resultat ermittelt. "Gemessen wird fair, immer prozentual zum Körpergewicht", sagt Andy Hunziker, der zehn Kilo abgespeckt hat, aber nicht verschweigt, dass beim Wägen in Unterhosen halt doch etwas gemogelt wird und es solche gibt, die kurz zuvor noch die Sauna oder mindestens das Häuschen aufsuchen. Auch gibt er unumwunden zu, in der Zwischenzeit wieder einige Pfund zugelegt zu haben. Doch was solls: Plausch und Fröhlichkeit stehen bei den Fähnlein der sieben Aufrechten im Vordergrund. Neben Andy Hunziker gehören Peter Aebi, Heinz Bernet, Wäli Schmid, Manfred Breuer, Helfried Wiesinger und Kurt Alder zur Truppe.

0,01 Prozent entschieden

Wäli Schmid, der Teilnehmer mit dem prozentual geringsten Gewichtsverlust, musste heuer ein feines Nachtessen in der "Harmonie" springen lassen. Andy Hunziker erging es eine Spur schlechter. Er verlor die Wette gegen den "Seeli"-Wirt Heinz Bernet, jenem mit dem grössten Gewichtsverlust. Ganze 0,01 Prozent war der Unterschied, was gerade mal drei Gramm ausmacht, rechnet Hunziker vor. Die diesjährige Fastenkur ist also äusserst knapp ausgegangen. Ob in der Nacht zum gestrigen Freitag nach dem üppigen Mahl in der "Traube" zur Waage geschritten wurde? Wohl kaum. Schliesslich kommt ja der nächste ;"Ramadan" bald wieder einmal.

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