W. ist überall - die Geschichte eines Buches

Am 3. April fand im "Hirschen" um 15.00 Uhr eine kleine Buchvernissage statt:


Es ging dabei um das Buch "A. ist überall - Appenzeller Ein- und Aussichten in Wort und Bild" von Andreas Giger. Dieses Buch hat eine Geschichte:

Anfang 2002 zog ich von Rehetobel nach Wald, in den Rechberg. Dort (siehe Bild) wollte ich zusammen mit zwei Freunden, Urs und C., in einem Haus und drei Wohnungen leben. Dazu kam es nicht. Bevor C. einziehen konnte, wurde das Haus verkauft und Eigenbedarf geltend gemacht. Ich musste also raus, und das erwies sich im Nachhinein als Glücksfall. Denn so fand ich meine Dichter- und Denkerklause an einer der sicher schönsten Aussichtslagen von Wald.

Am neuen Ort im Büel wuchsen mir ungeahnte kreative Kräfte zu. Ich begann mit einer Kombination aus Fotos und kurzen Texten zu experimentieren, Codename "Appen-Zen", und hatte bald viele Beispiele parat.

Urs, der immer noch im Rechberg lebte, bestärkte mich sehr in meinem Vorhaben. Er, ein schräger, aber liebenswerter Typ, hatte einst eine Fotografenlehre angefangen, und besass einen intuitiv richtigen Blick für gute Bilder. So war mir sein positives Echo wichtig.

In diesem Sommer 2002 nahm ich erste Kontakte zum Appenzeller Verlag auf. Ob daraus ein Buch werden könnte ? Für den 20. November 2002 wurde schliesslich ein Termin mit Marcel Steiner, dem Verlagschef, vereinbart.

Das Buch sollte aus lauter Bildern der etwas anderen Art bestehen, die alle innerhalb eines Jahres irgendwo im Appenzellerland aufgenommen wurden. Das mit dem Jahr hat gestimmt. Und es sind Fotos aus dem ganzen Appenzellerland dabei. Nur: Weit mehr als die Hälfte ist schliesslich auf dem Gebiet von Wald entstanden, wie diese hier, die Einheimische sofort identifizieren können. (Beide fielen schliesslich aus der Auswahl).

Das Vorwort sagt, worum es geht:

Nahlust und Fernsicht

Für einen Zukunfts-Philosophen, der ich im Hauptberuf bin, bietet das Appenzellerland, meine Wahlheimat seit einem Jahrzehnt, ideale Bedingungen. Der von den Hügeln schweifende Blick verschafft eine wunderbare Übersicht über die Niederungen, zeigt Zusammenhänge und Strukturen. Und gen Süden, wo wild gezackte Berge den Horizont bilden, wird klar, dass Hügel und Niederungen nicht die ganze Welt sind.

Solcherart auf Fernsicht eingestimmt, hat mir A. zusätzlich die Nahlust geschenkt, die Freude am zweiten Blick auf das Unscheinbare, den Spass an der bunten Vielfalt im Kleinen. Es gibt nichts Grandioses hier, doch im Unspektakulären liegt mindestens ebenso viel intensives Erleben, wenn wir es nur zulassen.

A. hat mich gelehrt, dass Fernsicht und Nahlust keine unversöhnlichen Gegensätze sein müssen, sondern sich ideal ergänzen. Und durch die Wurzeln, die ich in A. geschlagen habe, ist die Kraft geströmt, zwei alte Leidenschaften zu vereinigen, nämlich Bild und Wort.

Alle Bilder und Texte sind innerhalb eines Jahres irgendwo in A. entstanden. Die Ein- und Aussichten, die sich dabei entwickelt haben, möchten als Anregung zu eigenen Sichten dienen - sowohl Menschen, die hier ihre Heimat gefunden haben, als auch solchen, die in A. zu Besuch sind.

A. ist ohne Zweifel ein einzigartiger Ort, eine Gegend, die für Momente der Gnade durchlässiger macht für eine etwas andere Sicht der Welt. Diese Durchlässigkeit jedoch ist nicht an einen Ort gebunden. Sie lässt sich, einmal gewonnen, an jeden Ort der Welt mitnehmen: A. ist überall.

Womit man angesichts der Herkunft der meisten Bilder getrost auch sagen kann: W. ist überall !

 

Am 18. November brannte das Haus am Rechberg ab. Urs wurde dabei so schwer verletzt, dass er zwei Tage später starb. Weil es in seinem Sinne gewesen wäre, ging ich doch zur Besprechung mit dem Appenzeller Verlag. Dort wurde das Buchprojekt grundsätzlich beschlossen.

Damit war auch klar, wem ich das Buch widmen würde. Im fertigen Buch steht jetzt:

Für Urs A. Uehlinger, der zur selben Stunde diese Welt verliess, als das vorliegende Buch, zu dem er mehr beigetragen hatte, als er wusste, auf sie kam.

Und so sieht der Titel des fertigen Buchs aus, zu dem die Verlagsvorschau schreibt:

Für alle, die A., das Appenzellerland also, lieben und zu kennen glauben, eröffnen sich in diesem kleinen, aber feinen Buch neue, überraschende und manchmal verblüffende Appenzeller Ein- und Aussichten in Bild und Wort.

Dem Wahlappenzeller Giger gelingt es, mit seinen 120 Photographien zu zeigen, dass es jenseits des Spektakulären, gleichsam am Wegesrand, eine stille, fast meditative Appenzeller Bilderwelt zu entdecken gibt, die das Verweilen lohnt.

Zwischen die Bilder streut Giger kurze lakonische Texte, die in ihrer Mischung aus gesundem Menschenverstand und eigenwilliger Schrägheit an den wohlvertrauten appenzellischen Wortwitz erinnern und ihn neu und frisch interpretieren.

Alle Bilder und Texte sind innerhalb eines Jahres irgendwo in A. entstanden. Die Ein- und Aussichten, die sich dabei entwickelt haben, möchten als Anregung zu eigenen Sichten dienen - sowohl Menschen, die hier ihre Heimat gefunden haben, als auch solchen, die in A. zu Besuch weilen.

A. ist ohne Zweifel ein einzigartiger Ort, eine Gegend, die für Momente der Gnade durchlässiger macht für eine etwas andere Sicht der Welt. Diese Durchlässigkeit jedoch ist nicht an einen Ort gebunden. Sie lässt sich, einmal gewonnen, an jeden Ort der Welt mitnehmen: A. ist überall.


Das Buch erscheint im April 2004 und ist überall im Buchhandel erhältlich. (15,2 X 22,3 cm, 120 Seiten, illustriert, ISBN: 3-85882-384-8. Fr. 42.-/E 23.-)

Vorgestellt wird das Buch im Rahmen der Büchernacht des Appenzeller Verlags vom 2.April 2004, und im Rahmen einer kleinen Buchvernissage am 3. April 2004 im "Hirschen" in Wald

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