Der Wasser-Wart von Wald

Wald ist die einzige Gemeinde in der ganzen Region, die ihre Wasserversorgung ausschliesslich aus eigenen Quellen bestreitet. Der Gemeindepräsident ist zu Recht stolz auf diese Autonomie und betrachtet sie als Standortvorteil. Doch dahinter steckt ein enormer Aufwand. Seele des Ganzen ist der Wasser-Wart von Wald, der WaWaWa Walter Meier.

Text und Bilder: Andreas Giger, Februar 2006


November 2005: Nach dem Giftanschlag auf eine Wasserfassung im Bodensee gibt es bald Entwarnung. Doch ein ungutes Gefühl bleibt, weil auch die Gemeinden des Appenzeller Vorderlandes einen Grossteil ihres Wasser aus dem Bodensee beziehen.

Nur eine nicht: Wald. Hier stammen 100 Prozent des Wassers aus eigenen Quellen, und hier wird noch alles selber aufbereitet - nach den strengen Normen des eidgenössischen Lebensmittelgesetzes selbstverständlich.

Das Wasser ist so gut, dass der unvermeidliche Einsatz von Chlor auf ein absolutes Minimum reduziert werden kann.

Eingang zum Chlorbereich im Wasserreservoir in der Höhi


Wasser kommt aus dem Hahn, wie Milch aus der Tüte..

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. 31 Quellen wollen gefasst sein und müssen in die zentrale Aufbereitungsanlage geleitet werden.

Von dort wird das trinkfertige Wasser verteilt, über kleinere Reservoirs, und über 13,7 km Hauptleitungen.

Über 600 Hauptanschlüsse gelangt das Wasser zu den Bewohner von Wald. 210 Kubikmeter pro Tag im Schnitt. Das sind 120 Liter pro Kopf und Tag.


Die Hauptquellen von Wald befinden sich in der Letz, im Kamor und vor allem im Loch oberhalb des Seelis. Von dort wird das Wasser in die zentrale Aufbereitungsanlage in der Höhi gepumpt, im Notfall, also bei Stromausfall, mit einem eigenen Generator, so dass die Wasserversorgung von Wald auch dank anderer Vorkehrungen notfalls auch ohne Strom funktionieren würde.


Die "neue" Aufbereitungsanlage, die es seit 1970 gibt und zur Unterscheidung vom kleinen Häuschen direkt unterhalb so genannt wird, ist das Reich des Wasser-Warts von Wald.

Hier wird das Wasser in zwei grossen Tanks gefiltert, indem es durch eine Schicht von Quarzsand fliesst.

Hier wird das Wasser ständig überwacht.

Hier wird minim Chlor zugesetzt, um Keime und Fäulnis zu verhindern.

Hier wird dafür gesorgt, dass das Wasser, das schon beim Eintreffen zu 80% trinkbar ist, so gut wird, wie wir uns reines Quellwasser vorstellen.


Hier ist das Reich von Walter Meier, dem Wasser-Wart von Wald.

Zunächst übte er das Amt nur provisorisch aus, er war früher Metzger. 18 Jahre ist das jetzt her, und er hat seine Entscheidung nie bereut. Im Gegenteil.

Wasser bedeutet ihm sehr viel, er kann sich kein schöneres Tätigkeitsfeld vorstellen.

Er ist im Dorf verwurzelt und kennt jeden Fleck. Er erzählt gern und gut Geschichten rund um das Wasser in Wald.

Zum Beispiel jene, als sich beim Bau der Anlage ein Tank selbständig machte und den Hang hinunter fiel - zum Glück ohne böse Folgen...


So sieht es Inneren des grossen Reservoirhauses aus.

Seit 1970 kann von hier aus alles überwacht und gesteuert werden.

Die Hochleistungspumpe rechts unten im Bild pumpt aufbereitetes Wasser zum Reservoir auf dem Tannebühl.

Von dort aus wird die so genannte "Hochzone" von Wald versorgt. Sie bestreitet etwa ein Fünftel des gesamten Wasserverbrauchs von Wald.


Das Wichtigste reicht bis tief unter der Erde, nämlich zwei Reservoirs mit zusammen 300 Kubikmeter Fassungsvermögen.

Falls plötzlich jeder Tropfen versiegen würde, wäre dies für etwa drei Tage ausreichend.

Walter Meier versteht trotzdem nicht, wie sorglos manche Menschen mit dem Wasser umgehen.

Dabei würden schon einfache Massnahmen wie Reduzierventile oder Zahnbecher ausreichen, um der Verschwendung von Wasser begegnen.


Durch Bullaugen lässt sich das Wasser in den beiden Reservoirs direkt sehen. Es ist so klar, dass man darin schwimmen möchte. Nur die eher kühlen Wassertemperaturen von etwa sechs Grad schrecken etwas ab...

Dieser Anblick ist übrigens keineswegs geheim. Walter Meier führt immer wieder Schulklassen oder Vereine durch "seine" Anlage und erntet damit nicht nur manches Staunen, sondern auch mehr Verständnis für die Kostbarkeit unseres Wassers.


Ein Blick in das nach wie vor betriebene alte Reservoir. Keine Bange, was da obenauf schwimmt, ist kein Dreck, sondern purer Kalk, was völlig normal ist. Das Wasser von Wald ist mit 18 bis 22 Härtegraden übrigens relativ weich.

Apropos Dreck: Irgendwohin muss das gebrauchte Wasser ja auch wieder fliessen. Früher gab es zwei kleine Kläranlagen auf Gemeindegebiet. Heute fliesst das Abwasser durch den längsten Dücker der Ostschweiz (und damit gratis) in die gemeinsam mit Trogen betriebene Kläranlage im Bädli.

Bald ist auch das letzte Haus daran angeschlossen. Der Unterhalt des Kanalisationsnetzes wird wie überall eine der grossen Herausforderungen für unsere Gemeinden werden.


Die extreme Trockenheit im Sommer 2003, einmal noch verstärkt durch einen Hauptleistungsbruch im "Rank", hat gezeigt, dass die Reserven an Wasser etwas knapp sind.

In der "Säge" ist deshalb ein zusätzliches Reservoir für 300 Kubikmeter geplant und auf bestem Wege zur Realisierung.

Nach dessen Fertigstellung reichen die Wasserreserven von Wald auf lange Zeit hinaus, auch dann, wenn ein moderates Bevölkerungs-Wachstum stattfinden sollte.

Und für absolute Notfälle wäre man via Oberegg doch auch mit dem Bodensee verbunden...


In der Wasser-Aufbereitung und -Versorgung von Wald ist ältere ebenso wie jüngere Technik am Werk. Der Wasser-Wart von Wald kennt sich in beidem aus. Jeden Morgen um fünf Uhr (!) kontrolliert er, ob alles in Ordnung ist. Damit die Wäldlerinnen und Wäldler für ihren Frühstücks-Kaffe auch ja sicher gutes Wasser haben.

Bevor Sie jetzt ganz in Mitleid erstarren: Es gibt natürlich eine Stellvertretung. Doch dass Walter Meier, der guten Seele der Wasserversorgung von Wald, bei diesem Einsatz auch mal eine ruhigere Stunde gegönnt wird, versteht sich von selbst.


In einem Nebenraum des Gemeindehauses ist noch immer der alte Wasserstands-Anzeiger in Betrieb.

Der Blick darauf zeigt Beruhigendes: Die eigene Wasserversorgung von Wald ist auch in Zukunft gesichert.

Darum kümmert sich neben Walter Meier, dem Wasser-Wart von Wald, auch Jakob Egli, der Gemeindpräsident, persönlich. Weil er so stolz ist auf dieses Stück Gemeinde-Autonomie, hat er das einschlägige Ressort im Gemeinderat gleich selbst übernommen.

Stolz sein auf das eigene Wasser können auch die Wäldlerinnen und Wäldler, und worauf man stolz ist, das schätzt und respektiert man.


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