Werner Mettler

Und mittendrin ein Backofen

In der Rubrik "Höckle ond gnüüsse" geht es in erster Linie darum, die Vielfalt der Appenzeller Gastronomie aufzuzeigen und die jeweils vorgestellten Gaststätten in einen weiter gefassten Rahmen zu stellen. Die Arbeit in der Küche sollte aber so ausfallen, dass man sie guten Gewissens empfehlen kann. Für den prächtig gelegenen "Hirschen" in Wald trifft dies zu. Werner Mettler macht aus dem, was er in der überschaubar gehaltenen Karte anbietet, kleine Köstlichkeiten. Wir bestellten ein "Lammfilet provencale" und erhielten einen wahren Leckerbissen vorgesetzt. Dass dazu Pommes frites gereicht wurden, die diesen Namen verdienen, rundete den guten Eindruck ab. Wir zweifeln nicht daran, auch mit einem Entrecote, einem Fitnessteller, einem Steak oder einem Schnitzel mit den entsprechenden Beilagen bestens bedient gewesen zu sein. Dass eine Wirtschaft an einem viel begangenen Wanderweg überdies mit allerhand kalten Speisen aufwartet, versteht sich.

Ansonsten ist manches anders im stattlichen "Hirschen" mit seinen heimeligen Innenräumen, in denen der noch täglich in Gebrauch stehende Backofen - Werner Mettler bestand darauf, vor ihm abgelichtet zu werden - sofort die Blicke auf sich zieht. Er sucht das Gespräch mit seinen Gästen und lässt Hektik gar nicht erst aufkommen. Wenn der Wirt aus seinem bewegten Leben erzählt, wird Zeit unerheblich. Der Start in dieses Leben erfolgte an gleicher Stätte. "Früher war der <Hirschen> eine Bauernliegenschaft mit Wirtschaft und Bäckerei, von denen es in Wald damals sieben gab. Ich habe noch mit der <Chrenze> Brot ausgetragen", erinnert er sich. Mit 16 Jahren begann er in Rorschach eine Lehre als Konditor-Confiseur, absolvierte darauf die Hotelfachschule in Lausanne und trat die im Gastgewerbe üblichen Wanderjahre an. Schloss Laufen, Hotel Richemont Genf, Hotel Gotthard Zürich, Hotel Acker Wildhaus, Kellner in England, Posthotel Davos, Hotel Vereina Klosters, Hotel Danilo Savognin - dies die Stationen. Hinzu gekommen wäre fast noch Ibiza, doch wurde dann nichts daraus. Immerhin hatte sich Werner Mettler bereits nach Madrid begeben, um Spanisch zu lernen. Dort kreuzte sich sein Lebensweg mit jenem von Alicia Meya, seit 1971 seine Gattin. In Heiden führte das Ehepaar sechs Jahre lang den Kursaal und später überdies das Aparthotel Garni Sante, das seine Gattin noch immer leitet. 1979 übernahm Werner Mettler, der früher auch an der Gewerblichen Berufsschule St. Gallen unterrichtete, den elterlichen Betrieb samt Bäckerei in Wald. Seit bereits 20 Jahren wirkt Lucija aus Kroatien - "der Familienname ist Nebensache" - als gute Seele mit.

"Landgasthof" nennt sich der "Hirschen" zu Recht, verfügt er doch über sieben tadellos eingerichtete Zimmer mit 14 Betten. Im Saal finden 70 Gäste Platz, in den Gaststuben 30, auf der Terrasse 24.

 

Aus dem "Appenzeller Magazin" (8/2003), von Martin Hüsler


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