Was macht eigentlich Elisabeth von Hospenthal?

 

Die gute Nachricht vorweg: Es geht ihr wieder deutlich besser, der allseits bekannten Dorfchronistin. Ein Besuch bei ihr macht einmal mehr deutlich, was für spannende Exemplare der Gattung Mensch in Wald wohnen.

Zwanzig Wochen lag sie im Spital in Heiden – doch statt darüber lange zu klagen, ist es ihr ein Herzensanliegen, darauf zu verweisen, wie fabelhaft dort die Zusammenarbeit zwischen Internisten und Chirurgen geklappt habe. Dass das ungewöhnlich ist, kann sie beurteilen, sie, die in ihren Studienzeiten auch ausgiebig in der medizinischen Fakultät geschnuppert hat.

Eine heimtückische Infektion ihres Fusses in Kombination mit ihrer Diabetes führte schliesslich dazu, dass keine andere Lösung blieb, als den ganzen Unterschenkel zu amputieren, was insgesamt neun (!) Eingriffe erforderte. Da ihre Wohnung nicht rollstuhlgängig ist, landete sie nach ihrer Spitalzeit im Altersheim Obergaden. Jetzt verbringt sie bereits wieder einen Teil ihrer Zeit zu Hause und gewöhnt sich an ihre neue Beinprothese.

Als ich sie besuche, wartet sie auf ein Einzelzimmer in der Reha-Klinik Walzenhausen, weil sie, die ausgeprägte Nachteule mit wenig Schlafbedürfnis, einfach nicht in ein Dreierzimmer passt. (Zwei Tage später ist es so weit.) Sie kann auch schon wieder Auto fahren, was ihr sehr zupass kommt. Und das alles, nachdem die Ärzte gemeint hatten, sie sei dem Tod mal wieder von der Schippe gesprungen.

Der Besucher wundert sich, wie scheinbar leicht hier eine auch nicht mehr ganz junge Frau einen Schicksalsschlag wegsteckt, der ja auch beileibe nicht der erste in ihrem Leben ist. Sie muss aus ausgesprochen gutem Holz geschnitzt sein...

Insofern damit ihre Vorfahren gemeint sind, bestätigt sich dieser Eindruck durch die herumhängenden Ölbilder aus der Familiengeschichte. Da ist alles versammelt, was im (offiziell gar nicht mehr existierenden) Schweizer Adel Rang und Namen hat – bestes blaues Blut sozusagen.

Die von Hospenthals stammen tatsächlich aus dergleichnamigen Urner Gemeinde und hatten dort zu Zeiten des Rütlischwurs Habsburgische Interessen zu vertreten. Elisabeth von Hospenthal ist berechtigt, den Titel “Freifrau” zu tragen. Und ist weit herum mit dem europäischen Adel verwandt.

Entsprechend beeindruckend ist der Stammbaum, der an der Wand hängt und darauf hindeutet, dass in ihren Adern uraltes königliches Blut aus Ungarn fliesst. Apropos Blut: Ein Tröpfchen dieses Safts, so erwähnt sie verschmitzt, klebe auch noch an der Hellebarde, die im Eingangsbereich hängt – so ginge jedenfalls die Sage. Sie stammt von Adrian von Bubenberg, dem Helden der Schlacht von Laupen, dessen Nachfahrin im sechzehnten Glied sie wiederum auch ist.

Wie kommt jemand mit dieser Vorgeschichte ausgerechnet nach Wald, wo sie jetzt immerhin auch schon zwölf Jahre lebt? Natürlich nur nach etlichen Irrungen und Wirrungen.

Ihr ganzes berufliches Leben lang – immerhin 45 Jahre – war sie Journalistin und Schreiberin aus Leidenschaft. Nach vielen Jahren in Deutschland, die sie wie so viele Ausgewanderte erst zur Patriotin machten, kehrte sie zurück und landete mehr oder weniger zufällig in der Ostschweiz, wo sie zur Lokaljournalistin mit Leib und Seele wurde.

Davon profitierte bald auch ihre neue Wahlheimat Wald, denn was wäre die „Wanze“ ohne ihre unermüdliche Berichterstattung in Wort und Bild? Es sei, so meint sie zur Begründung ihres Engagements ein ebenso tiefes wie berechtigtes Interesse der Menschen, darüber Bescheid zu wissen, was in ihrer unmittelbaren Umgebung geschähe.

Von ihrer Arbeit will sie auch jetzt nicht lassen, auch wenn ihr begreiflicherweise derzeit alles noch etwas schwerer fällt. Die grosse Anteilnahme aus dem Dorf und die damit verbundenen guten Wünsche zur Genesung, denen sich der Besucher natürlich gerne anschliesst, werden sie darin bestärken.

Im Familienwappen der von Hospenthals erscheint ein Bär (Hospenthal liegt im Urserental, was wiederum nach “ursus” – lateinisch der Bär – benannt ist.) Wie im Appenzeller Wappen steht der Bär aufrecht und stolz. So gesehen passt Elisabeth von Hospenthal mit ihrer Art, sich von keinem Schicksalsschlag niederwerfen zu lassen, sondern immer wieder aufzustehen, ganz ausgezeichnet ins Appenzellische Wald...

Text und Bilder: Andreas Giger

Juli 2007

 

Wieder guten Mutes: Elisabeth von Hospenthal zu Hause

Die "Zeitungsenten" der Lokaljournalistin mit Leib und Seele

Ausschnitt aus dem beeindruckenden Stammbaum

Die Hellebarde eines Vorfahren - Adrian von Bubenberg

 


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